Der Luxus-Lakai

Die Nacht mit teurem Edel-Schampus durchfeiern, im Luxusrestaurant dinieren, Stretchlimo fahren: Personal Concierge Robert Hantzsch macht’s möglich. Als  Diener auf Abruf sorgt er dafür, dass es seine reichen Kunden krachen lassen können. Mit einem alkoholkranken Multimillionär, Escort-Damen und Rennwagen kann ihn das allerdings auch schonmal teuer zu stehen kommen.

Von Markus Huth
für Spiegel Online

Kurz vor Mitternacht klingelt das Handy. In seiner Einzimmerwohnung in Berlin-Charlottenburg legt Robert Hantzsch die Zahnbürste beiseite. Die Nummer des Anrufers verrät, dass er Schlaf jetzt vergessen kann. Pete ist dran. „Robert, how are you? Hol mich in einer Stunde vom Ritz ab.“ Der Multimillionär will feiern, bis der Morgen graut.

Hantzsch ist Petes Personal Concierge. Ein Diener auf Abruf, 24 Stunden am Tag, ohne Feierabend. Also raus aus dem Bett und rein in den Anzug, den Fahrer der Stretchlimousine wachklingeln und ab durch die Nacht zum Ritz.

Diskretion ist in Hantzschs Beruf wichtig. Deshalb heißt Pete in Wirklichkeit nicht so. Nur so viel: Er ist US-Amerikaner, hat sehr viel Geld in der Computerbranche verdient und will einen Geschäftspartner aus Israel zum Berlin-Trip einladen, es eine Woche lang „richtig krachen lassen“. Mit Rennwagen und Helikopterflug.

Dass allein die schwarze Stretchlimousine 13.000 Euro Miete kostet, ist Pete egal. Ihn kümmert auch nicht, dass er für die beiden Bodyguards je 800 Euro am Tag zahlt, genauso viel wie für die drei extra aus London und Brüssel eingeflogenen Escort-Damen. Die hat Pete selbst organisiert, um den Rest muss Hantzsch sich kümmern.

Jetzt, nach getaner Arbeit, sitzt er in einer Lounge in der 15. Etage des Waldorf-Astoria am Ku’damm. Unten kaufen Menschen ein, fahren U-Bahn, haben Büro-Jobs. Hier oben thronen Designersessel auf teurem Teppich. In solchen Nobelhotels gehen seine Kunden ein und aus. Leute, die sich um Geld keine Sorgen machen müssen. Sorgen, sagt Hantzsch, machen die sich um was anderes: „Die Zeit, die sie durch mich sparen, ist für diese Menschen viel kostbarer.“

„Nein“ aus dem Wortschatz gestrichen

Concierge, so nannte man im mittelalterlichen Frankreich Pförtner und Gefängniswärter. Heute denkt man an eine Hollywood-Komödie. In „Ein Concierge zum Verlieben“ erfüllt Michael J. Fox den Gästen eines New Yorker Luxushotels jeden Wunsch: kauft seltenen Schmuck, reserviert schwer zu bekommende Restauranttische und hat Tickets für ausverkaufte Shows. Hantzsch sieht dem Film-Concierge ähnlich, jugendlich für einen 31-Jährigen. Was ihm fehlt, sind die vielen Hotelgäste.

Ein Personal Concierge kümmert sich exklusiv nur um einen Kunden. In den USA ist dieser Job bekannt, in Deutschland gibt es nur wenige Personal Assistants oder Lifestyle Manager. Für Hantzsch ist gerade das der Vorteil. Als selbständiger Unternehmer steht er nicht den ganzen Tag in der Lobby und kann mehr kassieren.

Ein Chef-Concierge in einem Edel-Hotel à la Adlon verdient nur gute 2000 Euro brutto im Monat. Pete zahlt Hantzsch für eine Woche Betreuung plus Organisation 3000 Euro. Mit und ohne Hotel gilt: Auf das Trinkgeld kommt es an. Dafür gibt ein guter Concierge alles. „Den Satz ‚Das geht nicht‘ habe ich aus meinem Wortschatz gestrichen“, sagt Hantzsch. Auch, wenn ihn das schon mal in Bedrängnis bringt.

„Robert, alles geht auf mich, aber leg doch erst mal aus“

Ein Vormittag im Berliner Kaufhaus des Westens: Auf Wunsch des Multimillionärs – „Robert, alles geht auf mich, aber leg doch erst mal aus“ – begleitet er dessen Geschäftspartner samt Escort-Dame beim Einkauf. Wie ein Filmstar fühlt sich Hantzsch, als er vorm Haupteingang unter neugierigen Blicken aus der Stretchlimo steigt. Die Frau stöckelt in die Damenabteilung, am Ende sind es sechs Kleider von Escada für 7000 Euro. „Da war ich im Dispo.“

Hantzsch weiß, was Geld wert ist. Er wuchs zwischen Plattenbauten auf, in einer sächsischen Kleinstadt an der polnischen Grenze. Abends tranken die Jugendlichen Bier an der Tankstelle. Er wollte in eine andere Welt, eine voller Luxus. Und sei es als Diener. Für ihn ist das keine niedere Tätigkeit. „Jemanden durch guten Service glücklich zu machen, erfüllt mich mit Stolz.“ Und ein superzufriedener Superreicher, so die Hoffnung, zahlt auch ein super Trinkgeld.

Wie man Reiche zufriedenstellt, lernte er in einem der teuersten Hotels überhaupt: dem „Burj al Arab“ in Dubai. Die Gäste blicken aus 200 Metern Höhe auf den Persischen Golf, wohnen in Suiten aus Gold und Marmor. Das Personal schläft in winzigen Mehrbettzimmern. Dafür sind Trinkgelder von 100 Euro allein fürs Türaufhalten keine Seltenheit. „Servicekultur auf diesem Niveau kennt man in Deutschland nicht“, sagt Hantzsch.

15.000 Euro für Schampus im Club

Was man über die Exzesse der Superreichen aus dem Fernsehen erfährt, sagt der Concierge, „ist in der Realität noch viel krasser“. Allein der Tisch im Nachtclub „Asphalt“ kostet so viel wie Hantzsch in der Woche verdient. Und die Sechs-Liter-Flasche Champagner, die Pete dort bestellt, sogar das Fünffache: 15.000 Euro.

Hantzsch arbeitet mit verschiedenen Escort-Services zusammen. Erzählt er seiner Mutter, mit wem er abends Champagner trinkt? „Natürlich. Sie weiß, dass das zum Job gehört.“ Und der Freundin? „Mit diesem Beruf ist es schwierig, eine feste Beziehung zu führen.“ Das Handy ist immer an. Jeden Moment kann ein Kunde anrufen, und dann muss er los. Seit zwei Jahren war er nicht mehr im Urlaub.

Zurück im Ritz müssen die Bodyguards Pete ins Bett tragen. Auch den Inhalt der Minibar bringen sie vor ihm in Sicherheit. Wie sich herausstellt, ist der Multimillionär Alkoholiker. Er wird depressiv und steigt zwei Tage früher als geplant in den Privatjet nach Hause. Sagt nicht mal Tschüs. Die gebuchten Rennwagen auf dem Lausitz-Ring und den Helikopter-Flug über Berlin muss Hantzsch teuer stornieren.

Ein paar Tage später leuchtet Petes Nummer auf dem Handy. „Robert, I’m so sorry.“ Der Multimillionär ist untröstlich. Inzwischen hat er alle Kosten beglichen. Auch jene 7000 Euro für die Kleider, die nun die Begleitung durch London trägt. Hantzsch lehnt sich zufrieden in den Designersessel und blickt auf den Ku’damm. Sein Handy klingelt, er muss zur U-Bahn.

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